Ich merke es gerade selbst an mir, dass ein Mehr an Wissen oft nicht förderlich ist. Es kann auch blockieren und mich davon abhalten, etwas zu tun. Gut, manchmal ist es auch richtig, etwas nicht zu tun, weil man mehr weiß, so nach dem Motto: „Hätte ich gewusst, dass hinter der Mauer ein Bach ist, wäre ich überhaupt nicht über die Mauer gesprungen.“

Aber das meine ich nicht. Ich meine es in dem Sinne, dass mehr Wissen verunsichern kann. Diese Verunsicherung sorgt dann dafür, dass man Ladehemmung hat, etwas nur mit gebremster Kraft beginnt, stecken bleibt oder es gleich ganz bleiben lässt.

Ich schreibe ja gerne und viel. Mittlerweile schreibe ich auch öffentlich (die übliche Geschäftskorrespondenz der ganzen Jahre meiner Selbständigkeit bezeichne ich nicht als öffentlich). Meist bin ich mit dem, was ich geschrieben habe, auch ganz zufrieden, sonst würde ich es nicht rauslassen.

Aber ich sehe auch, dass ich meine Möglichkeiten noch nicht ganz ausgeschöpft habe. Die Texte könnten interessanter sein, besser zu lesen sein, der Nutzen für den Leser besser herausgearbeitet sein, Beispiele den Inhalt verdeutlichen und und und. Deshalb habe ich mich in letzter Zeit viel damit beschäftigt, wie ich meine Schreibe noch verbessern kann. Ich habe hierzu übrigens eine ganz gute Seite im Internet gefunden. Es ist www.schreibnudel.de von Gitte Härter. Da gibt es viele tolle Tipps und auch Übungen rund um schreiben und texten.

Die Schattenseite davon ist, dass ich gerade eine Monsterzahl von ungefähr 15 Texten habe, die unvollständig sind, wo immer wieder umgestellt, umgetextet und geändert wird: So, ach nein so doch nicht, lieber anders... Ich bin nicht mehr wirklich zufrieden damit – Verunsicherung im Quadrat!

Noch vor ein paar Wochen hätte ich munter drauf los geschrieben, Korrektur gelesen, manche Texte noch ein oder zwei Tage liegen lassen, um sie auf mich wirken zu lassen, hier und da noch eine kleine Änderung oder Umformulierung, und dann ab damit!

Genau damit habe ich jetzt ein mittleres Problem.

Ja, es gab immer ein oder zwei Texte, die wochen- oder gar monatelang vor sich hin schlummerten, um dann irgendwann, wenn die Zeit reif war, fertiggemacht zu werden. Aber doch nicht mit jedem kleinen 40-Zeiler!

Auch Themen waren kein Problem. Ich habe zwar nicht über alles geschrieben, was mir in den Sinn kam (da käme ich mit dem Schreiben nicht hinterher, es wäre mancher Schrott dabei und mit sonstiger Aktivität wäre es nichts mehr), aber doch recht frei nach Schnauze. Heute überlege ich mir: Was für einen Nutzen hat der Leser? Hat er überhaupt einen Nutzen? Warum sollte er das lesen wollen? Was will ich überhaupt sagen?

Die Kernfrage dabei ist doch: Warum schreibe ich überhaupt öffentlich? Natürlich wird damit ein Teil meines Kommunikationsbedürfnisses befriedigt. Da hat das Schreiben einen großen Vorteil gegenüber einem Gespräch: Hier kann mich keiner unterbrechen cool! Auch wenn ich immer behaupte, kein Sendungs-bewusstsein zu haben: Ich will was los werden und da ist schreiben eine gute Sache.

Aber ich möchte auch, dass meine Leser etwas davon haben, damit über diese Schiene ein Teil meines Bedürfnisses nach Anerkennung befriedigt wird. Also her mit lobenden Kommentaren, bitte schön! Aber auch Kritik kommt an (sofern es überhaupt etwas bei mir zu kritisieren gibtwink).

Nachdem ich mir klar gemacht habe, warum ich schreibe, bin ich nun hoffentlich wieder etwas freier. Nicht jeder Text muss wie ein Ratgeber sein und längerfristigen Nutzen bringen. Es reicht doch schon, wenn meine Leser sich unterhalten fühlen oder den ein oder anderen Gedanken zum Grübeln und Sinnieren bekommen.

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Als Lösung werde ich also eine Mischung machen: Frei von der Leber weg Themen nehmen und schreiben und dann sehen, ob der Text schon einen Nutzen hat, den ich vielleicht nur besser herausarbeiten sollte oder ob ich einen Nutzen hinein packen kann. Aber auch Themen, die ich interessant finde und über die ich mich äußern will, werden nach wie vor dabei sein, auch wenn ich keinen anderen Nutzen sehe als meine Meinung kundzutun.