Was für eine Frage! Ein Unternehmer ist ein Mensch, der einen Betrieb hat und damit sein Geld verdient!

Ist es wirklich so einfach? Das (Haupt-)Wort Unternehmer kommt von dem Tätigkeitswort unternehmen. Unternehmen beschreibt also eine Tätigkeit, ein Tun. Man unternimmt etwas. Hier schließe ich an meinen vorigen Blogeintrag Opferdenker an. Denn nicht jeder, der einen eigenen Betrieb hat, ist auch wirklich ein Unternehmer. Wenn ich über die derzeitige Wirtschaftskrise jammere und diese mir an die Substanz geht, dann habe ich wohl in der Vergangenheit zu wenig unternommen - die Haupttätigkeit eines jeden Unternehmers!

Zwei Beispiele: Beim ersten Beispiel hat ein damals junger Mann mit seinem Bruder so Mitte bis Ende der 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts eine Gärtnerei von seinen Eltern übernommen. So richtig mit allem drum und dran, was damals eben zu einer Gärtnerei gehörte: Blumen und Pflanzen für innen und außen, Obst und vor allem Gemüse aus eigenem Anbau, eben die ganze Palette. Er merkte jedoch recht schnell, dass er vor allem mit dem eigenen Anbau von Obst und Gemüse nicht mithalten kann und höchstens noch das Geld wechselt, eher schon draufzahlt. Außerdem gehörte sein Herz sowieso der Floristik. Die Konsequenz: Er hat das Ladengeschäft umgebaut, Obst und Gemüse aus dem Programm geworfen und sich auf höherwertige Floristik konzentriert. Dazu organisiert er immer wieder Ausstellungen und Sonderschauen zu verschiedenen Themen, zum Beispiel Hochzeit, bei denen er seine Floristik ins rechte Licht rücken kann. Ich kann zwar nicht behaupten, dass er die Wirtschaftskrise nicht spürt, aber sie tut ihm nicht besonders weh. Oder wie soll ich es interpretieren, wenn er eine Floristin, die kürzlich gekündigt hat, sofort durch eine neue ersetzt hat? Wenn die Wirtschaftskrise ihm wirklich an die Substanz gehen würde, dann wäre er froh gewesen, wenn er eine Angestellte weniger zu zahlen hätte.

Das andere Beispiel ist eine Frau, die ungefähr um dieselbe Zeit ebenfalls von ihren Eltern ein Schreib- und Spielwarengeschäft übernommen hat. Es hat sich weder an der Geschäftsausstattung noch am Verkaufsprogramm etwas Wesentliches geändert: Zeitungen, Zeitschriften, Schreibwaren, Spielzeug, Karten für alle Anlässe, Lotto, alles wie vor dreißig Jahren, nur die Postagentur ist hinzugekommen, nachdem die Post ihren eigenen Schalter in diesem Ort zugemacht hat. Aber die dafür notwendige Umgestaltung des Verkaufsraumes was Historien-verträglich - so wenig Änderung wie möglich! Diese Dame sitzt tagein, tagaus hinter ihrem Tresen und harrt der Kundschaft, die da kommt - oder eben auch nicht. Sie wartet und wartet, und wenn sie keinen Kunden zu bedienen hat, dann jammert sie über die Wirtschaftslage und die großen Allrounder, die ihr das Geschäft wegnehmen.

Beide haben einen eigenen Betrieb, sind aber auch beide Unternehmer?