Ja, tatsächlich! Na ja, vielleicht nicht der ganze oder gar der einzige Weg, aber doch mit Sicherheit sind Fehler ein ganz, ganz wichtiger Teil auf dem Weg zum Erfolg.

Es gibt ja das Sprichwort:

Wer arbeitet, macht Fehler. Wer viel arbeitet, macht viele Fehler. Wer keine Fehler macht, der ist ein fauler Hund.

Diesen Spruch möchte ich umformulieren:

Wer Fehler macht, kann lernen. Wer viele Fehler macht, kann viel lernen. Wer keine Fehler macht, lernt auch nichts dazu. Wie willst Du erfolgreich sein, wenn Du nichts lernst (und damit nichts oder fast nichts kannst)?

Fehler sind negativ besetzt

Aber wie ist üblicherweise unsere Einstellung zu Fehlern? Und wie sind unsere Erfahrungen mit Fehlern?

Fehler sind normalerweise negativ behaftet. Fehler stehen für Misserfolg, Versagen, unangenehme Konsequenzen, schmerzhafte Gefühle. Das ist auch kaum verwunderlich, denn schon in der Kindheit haben wir die Erfahrung gemacht, dass Fehler unangenehme Konsequenzen haben können. Das hat uns negative Gefühle gemacht. Wenn ich nur an meine Schulzeit denke: viele Fehler → schlechte Note. Die Begeisterung meiner Eltern über die vielen Möglichkeiten, daraus etwas zu lernen, konnte ich leider nicht bemerken. Dafür aber Vorhaltungen, Ermahnungen... Du kennst das sicherlich auch. Du kennst sicherlich auch viele andere Gelegenheiten, wo ein Fehler von Dir unangenehme Konsequenzen nach sich gezogen hat.

Die logische Schlussfolgerung daraus war also, dass ich Fehler am liebsten vermeide. Immerhin habe ich ja – wie übrigens jeder andere Mensch auch – die Grundprogrammierung: Schmerz vermeiden, Freude empfinden (siehe hier und hier).

Vermeidungsstrategien

Eine typische Reaktion auf Fehler ist, diese Sache nicht mehr zu machen. Dann kann ich auch keine Fehler machen. Deshalb vermeide ich – teilweise panisch – Situationen, in denen ich Fehler machen könnte. Damit nehme ich mir aber jede Chance, etwas dazuzulernen und den Fehler deshalb künftig nicht mehr zu machen. Folglich verbaue ich mir auch die Möglichkeiten, die sich an diese Sache oder Situation anschließen.

Viele gehen in ihren Reaktionen auf eigene Fehler sogar noch weiter: Sie entschuldigen sich reflexhaft, wenn sie einen Fehler gemacht haben oder auch nur, wenn sie meinen, einen Fehler gemacht zu haben. Aber wie oft passiert es, dass der andere den Fehler nur bemerkt, weil ich ihn darauf aufmerksam gemacht habe? Und wie oft passiert es, dass der andere den Fehler als Lappalie und eigentlich nicht erwähnenswert hält?

Andere gewöhnen sich Perfektionismus an, nur um ja keine Fehler zu machen. Aber in diesem Perfektionismus bremst man sich selbst aus. Alles, was man tut, dauert viel, viel länger als wenn man ein paar Fehler mit einkalkuliert. Kennst Du die Regel, dass (die ersten) 80% der Arbeit in 20% der Zeit gemacht werden, die letzten 20% der Arbeit aber in 80% der Zeit? Diese Regel nennt sich Pareto-Effekt. Was meinst Du: Kann das stimmen?

Die Kombination aus beidem ist dann der ultimative Garant dafür, dass ich nicht vorwärts kommen kann:

Ich mache dem anderen klar, dass ich hier einen Fehler gemacht habe. Der andere bestätigt auch: Ja, aber das ist eine Kleinigkeit, nicht schlimm. Da ich aber Perfektionistin bin, höre ich nur: Ich habe einen Fehler gemacht, also bin ich nicht perfekt. Damit ist auch klar, dass ich nicht erfolgreich sein kann, denn Fehler sind ja Misserfolge...

Der Ausweg: Fokus ändern

Schritt 1: akzeptieren, dass ich Fehler nicht toll finde

Um eine unerwünschte Eigenschaft los zu werden, hilft es nicht, diese zu leugnen oder klein zu reden. Ich darf erst einmal akzeptieren, dass ich diese Eigenschaft, dieses Verhalten habe. Das heißt natürlich nicht, dass ich es gut heißen muss. Nein, ich darf erst einmal einfach vor mir zugeben, dass dem so ist. In diesem Fall also:

Keiner ist perfekt und Fehler sind menschlich. Ich bin ein Mensch, also werde ich Fehler machen. Nur habe ich noch die Marotte, dass ich Fehler hasse.

Schritt 2: Welche Konsequenzen ergeben sich aus Fehlern

Der weitaus größte Teil der Fehler, die ich mache, hat überhaupt keine Konsequenzen außer dem, dass ich ein schlechtes Gefühl habe, weil ich einen Fehler gemacht habe. Also: Fehler können negative Konsequenzen haben, müssen aber nicht. Wenn jemand dadurch einen Schaden erleidet, dass ich einen Fehler gemacht habe, dann sollte ich mich entschuldigen und versuchen, den Fehler wieder gut zu machen. Aber auch nur dann!

Wenn nur ich daraus den Schaden habe, dass ich ein schlechtes Gefühl habe, dann brauche ich mich auch nicht dafür zu entschuldigen. Ich kenne sehr viele Menschen, die kreisen um eigene Fehler wie Geier um einen Kadaver. Sie hacken immer wieder auf diesem Fehler herum und zerfleischen sich damit nur selbst. Was bringt das? Bringt es sie weiter? Ist es nicht vielmehr so, dass sie damit das Gefühl, das ihnen dieser Fehler bringt, immer weiter vertiefen und konservieren? Bringt das irgend einen Vorteil?

Schritt 3: aus Fehlern lernen

Wäre es nicht besser, den Fokus vom eigentlichen Fehler weg zu lenken auf das, was ich aus dem Fehler lernen kann? Nur das bringt mich doch weiter!

Erfolgreiche Menschen machen mehr Fehler als nicht erfolgreiche Menschen. Das liegt in der Natur der Sache, denn erfolgreiche Menschen geben nach einem Fehler nicht auf. Sie probieren weiter, bis es funktioniert. Und akzeptieren, dass sie vielleicht wieder einen Fehler machen. Bis sie es geschafft haben.

Thomas Edison hat auch über 1000 Versuche gebraucht, bis er die Glühbirne erfunden hatte (auf sein Konto gehen übrigens so um die 600 Erfindungen – was für ein Fehlerpotential!). Wenn ein Versuch nicht den gewünschten Erfolg hatte, dann sagte er: „Nein, das ist kein Misserfolg, denn nun kenne ich eine Möglichkeit mehr, wie es nicht funktioniert!“

Nur mit dieser Einstellung komme ich weiter. Genau diese Betrachtungsweise sorgt dafür, dass ein Fehler nützlich ist. Jetzt habe ich die Möglichkeit, es auf andere/bessere Art und Weise zu versuchen.

Wenn ich etwas Neues ausprobiere, dann ist es unausweichlich, dass ich Fehler mache. Dann sind viele Fehler vorprogrammiert! Ich konnte weder Laufen noch Fahrrad fahren oder Auto fahren noch sonst etwas von Anfang an fehlerfrei. Ich bin hingefallen, bin vom Fahrrad gefallen, habe mich verschaltet. Aber je besser ich eine neue Sache kann, desto weniger Fehler werde ich machen und die Qualität der Fehler wird sich weitgehend zu Nichtigkeiten entwickeln.

Fazit

Ja, ich werde und will Fehler machen, weil ich weiter kommen will.

Ich lenke meinen Fokus weg von dem negativen Erlebnis, das mir ein Fehler eingibt, hin zu dem, was ich aus dem Fehler lernen kann.

Ach ja: Manchen hilft es schon, einfach zu erfahren, dass man etwas ändern kann und wie die große Richtung dabei ist. Anderen ist das hier zu wenig. Das kann ich gut verstehen, denn Änderungen eines eingefahrenen Musters sind nicht ganz so einfach. Aber das ist ein allgemeineres Thema. Wie man generell seine Muster ändern kann, behandle ich in ein anderes Mal.