Heute erzähle ich eine kleine Geschichte. Sie handelt von Emilie.

Emilie ist so um die 50. Sie hat nach einem tragischen Unglücksfall ihre beiden Kinder alleine groß gezogen. Überhaupt hat ihr Leben viele Höhen und Tiefen gehabt – wie wohl bei den meisten Menschen. Emilie hat sich da meist wacker durchgebissen. In den ganz schlechten Zeiten konnte sie wenigstens so funktionieren, dass ihre Kinder nur wenig darunter zu leiden hatten. Aber nun sind die Kinder aus dem Haus und sie hat neue, richtig schöne und große Pläne für sich: Sie will sich selbständig machen.

Sie setzt sich also hin und arbeitet ein Konzept aus – ja mehr noch: Sie hat einen exakten Plan, wie sie was in welcher Reihenfolge erledigen will!

So toll das auch klingt, ganz so brillant ist es nun auch wieder nicht. Sie hat nämlich eines vergessen: Viele Wege führen nach Rom. Um ein Ziel – in diesem Fall ihre Selbständigkeit – zu erreichen, muss man manchmal flexibel sein und einen Umweg in Kauf nehmen. Na ja, wenn ich ehrlich bin, hilft diese Flexibilität nicht nur in der Selbständigkeit oder auf dem Weg dahin sondern tatsächlich sogar im ganzen Leben!

Und weil Emilie diese Flexibilität fehlt, rennt sie ständig mit dem Kopf gegen die Wand, die sich auf ihren exakt geplanten Weg gestellt hat – immer und immer wieder. Sie hat sich mittlerweile nicht nur eine blutige Stirn geholt, nein, es ist sogar eine mittelschwere Gehirnerschütterung dabei!

Nun stand sie vor der Wahl: Weitermachen oder aufgeben? Es ist klar: Wenn sie so weitermacht, dann wird sie sich immer wieder eine Gehirnerschütterung holen. Aber aufgeben ist eigentlich auch nicht ihr Ding...

Na ja, im Moment hat sie mit der Gehirnerschütterung zu tun. Das gibt ihr eine Auszeit, damit sie sich überlegen kann, ob sie diesen Weg weiter gehen will oder nicht. Dann ist das eben so.

Aber sie hätte auch die Möglichkeit, nur mal ein paar Schritte zurückzutreten und ihren Plan zu überdenken und nach einer Alternative zu sehen. Oder gleich ihren Plan nur als grobes Konzept zu verstehen, das man flexibel an die jeweiligen Gegebenheiten und Umstände anpassen sollte...

„Sie will sich nicht mehr verbiegen“, sagt sie, „das hätte sie ihr Leben lang getan.“ Aber verbiegt man sich denn, wenn man sein Ziel nicht aus den Augen verliert, nur eben einen Umweg geht?

Und wenn sie beizeiten ein paar Schritte zurückgetreten wäre, dann hätte sie vielleicht erkennen können, dass links und rechts von der Stelle, mit der sie mit dem Kopf durch die Wand wollte, ein paar offene Türen vorhanden waren...

Verbiegen ist schlecht – flexibel agieren bringt einen seinem Ziel dafür näher...