Die Frage ist doppeldeutig. Aber heute geht es nicht um den Sinn im Sinne von Bedeutung. Heute geht es um die fünf Sinne, die wir haben. Es geht um Wahrnehmung und Aufnahmefähigkeit. Es geht um Sinneskanäle und ihre Nutzung.

Gibt es denn einen richtigen Sinn, wie ich es in der Frage angesprochen habe? Jein lautet meine Antwort. Alle fünf Sinne sind wichtig und richtig. Aber: nicht jeder Mensch nutzt jeden Sinn gleich, nicht jeder Mensch hat denselben „Hauptsinn”.

Welche Sinne haben wir denn überhaupt? Wir haben die Augen, das ist visuell. Dann haben wir einen auditiven Sinn, wir hören. Auch schmecken gehört dazu, das nennt man gustatorisch. Riechen nennt man olfaktorisch und schließlich ist da noch der Tastsinn, das Fühlen, das kinästhetisch oder taktil genannt wird.

Bei allen Menschen mit funktionierenden Augen kommen über 70% der Wahrnehmungen über die Augen. Deutlich weniger kommen über den Tastsinn, noch weniger über Nase und Gehör und am geringsten ausgeprägt ist der Geschmackssinn.

Anhand dieser Tatsache sollte man eigentlich meinen, dass bei allen Menschen auch die Gewichtung der Wahrnehmungen in diesen Größenverhältnissen sein sollte. Aber das stimmt nicht. Es gibt Menschen, die die optischen Eindrücke ziemlich hinten anstellen. Für sie ist das hören, fühlen, riechen oder schmecken wichtiger. Ich weiß, wovon ich rede!

Kinästhetischer Typ

Ich habe mich lange Zeit gegrämt, dass ich einem Einkaufsbummel so wenig abgewinnen kann. Meinen Freundin kommt in einen Laden und geht nach einem kurzen Rundblick zielstrebig auf die Kleiderständer zu. Ich stand immer ziemlich verloren da und wusste nicht so recht, was ich tun sollte. Irgendwann fiel mir auf, dass ich, wenn ich mich dann aufraffte und auch an einen Kleiderständer trat, mit den Händen über die Waren strich. Für mich ist das Begrapschen, das Fühlen deutlich wichtiger als das Sehen. Allerdings habe ich herausgefunden, dass das nicht mein Hauptsinn ist. Hören ist mir noch wichtiger. Aber leider sind die meisten Klamotten stumm...

Der Kinästhetiker muss alles anfassen, „begreifen”, drückt Knöpfe, um zu sehen, was passiert. Er lernt am besten, wenn er ausprobieren und sich dazu bewegen kann. Der Kinästhetiker ist in unserem Schulsystem ziemlich aufgeschmissen...

Wenn der Kinästhetiker sich eine rote Rose vorstellen soll, dann wird er vermutlich zuerst das Gefühl für die rote Rose entwickeln, bevor er sich ein buntes und klares Bild vor seinem inneren Auge vorstellen kann.

Auditiver Typ

Auditive Menschen sind sehr empfindlich, was den Ton angeht. Nicht nur im musikalischen Bereich, sondern auch der Ton, in dem jemand mit ihnen redet. Sie hören Zwischentöne, wo andere keine Unterschiede mehr feststellen. Er ist meist lärmempfindlich und ärgert sich über störende Nebengeräusche.

Der auditive Typ lernt leichter mit Hörbüchern, Kassetten, CDs, MP3s und kommt in Vorträgen recht gut zurecht. Im Selbststudium helfen das Selbstgespräch und lautes Lesen.

Wenn der auditive Typ sich eine rote Rose vorstellen soll, dann hört er vermutlich zuerst, wie das Wort rote Rose ausgesprochen wird, bevor er ein inneres Bild bekommt.

Auditiv-digitaler Typ

Ebenfalls wichtiger als das Fühlen ist bei mir ein Sinneskanal, der keinem Sinn direkt zugeordnet werden kann: Der auditiv-digitale Kanal. Das ist typisch für die Logiker unter uns. Der auditiv-digitale Typ kann gut mit Zahlen, Daten und Fakten umgehen, ist andauernd am Denken und es läuft ständig ein innerer Dialog ab. Meditation fällt ihm vermutlich etwas schwerer, denn er muss den inneren Dialog erst einmal zum Schweigen oder weit in den Hintergrund bringen. Er ist leicht daran zu erkennen, dass er ständig Checklisten macht. Er liest die Bedienungsanleitung von vorn bis hinten, bevor er ein Gerät benutzt.

Lesen, logische Zusammenhänge, Querverbindungen, das „Wie” und „Warum” sind für ihn ideal, um neues Wissen aufzunehmen.

Die rote Rose sieht er üblicherweise erst als geschriebenes Wort vor sich, bevor dazu ein Bild kommt.

Visueller Typ

Der visuelle Typ sieht auf einen Blick, ob der Vorhang zum Teppich passt. Er kann sich meist noch lange daran erinnern, wer was für Kleider getragen hat. Er hat klare Vorstellungen von Farben und Formen.

Bilder, Skizzen, farbliche Markierungen und weitere optische Hilfsmittel jeglicher Art sind ihm sehr hilfreich beim Lernen.

Der visuelle Typ macht keinen Umweg, wenn er sich eine rote Rose vorstellen soll. Er hat sofort ein klares, deutliches und buntes Bild vor Augen.

olfaktorisch, gustatorisch

Na ja, diese Sinne sind nicht unwichtig, treten aber doch gegenüber den anderen Sinneskanälen sehr deutlich in den Hintergrund. Allerdings gebe ich zu, dass mir manchmal Gerüche von der Nase so direkt in den Kopf stechen, dass ich fast komplett schachmatt gesetzt bin.

Und was lernen wir daraus?

Mit etwas Selbstbeobachtung kannst Du herausfinden, welches der Sinn ist, der bei Dir am wichtigsten in Erscheinung tritt. Du kannst dich besser darauf einstellen, wie Du effektiv lernen und dir neues Wissen aneignen kannst. Du hast einen Anhaltspunkt, auf welchen Sinn Du dich beim Visualisieren konzentrieren solltest. Du kannst eine Strategie entwickeln, falls Du um deinen „schwachen” Sinneskanal nicht herum kommst.

Wohl dem, bei den mehrere Sinneskanäle hohe Gewichtung haben. Er kommt in vielen Situationen mit den gegebenen Möglichkeiten gut zurecht.

Was ich nun für ein Typ bin? Auditiv ist knapp der Sieger vor auditiv-digital und kinästhetisch. Visuell ist stark abgeschlagen auf dem letzten Rang. Ein spontaner Einkaufsbummel ist immer noch eine Herausforderung für mich, zumal die Kleider immer noch nicht mit mir reden oder mich ansingen. Aber ich habe ein Strategie entwickelt: Ich mache eine Liste!