Es ist Adventszeit, die Zeit von leckeren Plätzchen, Kerzen, duftendem Tannen-grün und Glühwein. Es ist eine gemütliche, ruhige und besinnliche Zeit, so sagt man. Man besinnt sich seiner Freunde, seiner Familie und manch anderem. Man besinnt sich auch darauf, dass man in diesem Jahr so manches Projekt, Vorhaben oder Ziel in Angriff nehmen wollte. Und bei manch einem ist es dann vorbei mit der Gemütlichkeit. Die Weihnachtsgans bleibt bereits im Halse stecken, noch bevor sie gegessen wird: "Ich wollte dieses Jahr doch..." oder "Ich hatte mir für dieses Jahr so viel vorgenommen, wie soll ich das bloß alles schaffen?" Und schnell ist ein Schuldiger gefunden: Der innere Schweinehund...

Du gelobst Besserung - natürlich: "Nächstes Jahr werde ich das besser machen!" Auch beliebt: "Das werde ich nächstes Jahr ändern, ganz sicher!" Wenn Du das nicht kennst, dann lese nicht weiter, es wäre reine Zeitverschwendung!

Doch ist der innere Schweinehund wirklich schuld? Liegt es nicht vielleicht an deiner Motivation? Hast Du dich denn überhaupt schon mal gefragt, warum Du dieses anpacken, jenes erreichen wolltest? Was steckt für Dich wirklich dahinter?

Wenn Du dich mehr um deine Gesundheit kümmern, vielleicht öfter mal joggen oder Fahrrad fahren willst, damit Du keinen Herzinfarkt bekommst, dann freut sich dein innerer Schweinehund. Ja, wirklich! Denn er bekommt Unterstützung von deinem Gehirn, ob Du es glaubst oder nicht. Es ist eine Tatsache, dass dein Gehirn mit einer Verneinung nichts anfangen kann. Du kennst doch sicher die Sache mit dem rosa Elefanten, der einen lila Hut trägt. Den sollst Du dir nicht vorstellen. Bitte wirklich nicht vorstellen. Aber was passiert? Damit Du überhaupt einmal weißt, was Du dir nicht vorstellen sollst, musst Du dir erst einmal ein Bild davon machen und schwupps sitzt der rosa Elefant bei Dir auf der Couch und schwenkt seinen lila Hut. Dann hast Du das Bild und versuche mal, das los zu bekommen...

Genau das ist einer der Punkte, warum Du deine Ziele noch nicht angegangen bist. Du willst etwas vermeiden! Hast Du dir etwas überlegt, was du statt dessen haben möchtest? Falls nicht, ist das ungefähr so, als ob Du in ein Reisebüro gehst und sagst: "Ich möchte nicht nach Irland." (Entschuldigung Irländer, ist nicht persönlich gemeint.) Da der nette Mensch im Reisebüro ja gerne etwas verkauft, wird er Dir Alternativen vorschlagen, aber mit Sicherheit kann er Dir keine Reise nicht-nach-Irland verkaufen. Wenn Du etwas nicht haben willst, darfst Du deinem Gehirn also etwas geben, was es sich statt dessen vorstellen kann.

So ist es auch mit deiner Motivation: Wenn Du etwas nicht haben willst, wo soll Dich deine Motivation dann hinführen? Wenn da irgendwie doch Bewegung in die Sache kommt, wo soll die Bewegung hingehen? Fort von... ja klar, aber wohin? Das gibt dann aller Wahrscheinlichkeit nach ein Herumeiern, mal hierhin, mal dorthin. Das willst Du vermutlich nicht wirklich, oder?

Dann gibt es noch Ziele, die eben gerade in sind. Kannst Du wirklich eine starke Motivation daraus schöpfen, etwas wirklich zu erreichen, nur weil es deine Freunde eben auch tun?

Eine der Kernfragen stellst Du dir wohl jedes Jahr zum Jahreswechsel: "Was will ich?" Das ist auch in Ordnung so. Aber Du solltest weiter fragen: "Warum will ich das? Ist mir das wichtig? Will ich das wirklich?" Wenn Dir die Antworten darauf klar sind, dann dürfte es auch nicht mehr so sehr schwer fallen, manches auszusortieren. Was übrig bleibt, besitzt ausreichend Motivation, es auch in Angriff zu nehmen. Und dein innerer Schweinehund räkelt sich faul in einer Ecke deines Ichs und freut sich, dass er nichts zu tun hat.