Ich habe Euch ja gewarnt und schon geht es los!

Heute nehme ich mir ein Thema vor, um das ich bisher einen großen Bogen gemacht habe. Aber spätestens seit ich das Buch „Die Entstehung der Realität“ von Jörg Starkmuth gelesen habe, kommt mir dieses Thema immer wieder hoch. Zumal ich mit meiner eigenen einschlägigen Erfahrung aus der Trans-Ecke hier auch endlich einmal meine zweite große Zielgruppe wenigstens am Rande anschneide.

Jörg Starkmuth gibt in diesem Buch im Kapitel 8 „Planet der Affen“ die These wieder, dass Primaten (und damit auch wir Menschen) nur aufgrund des Genussinstinktes Sex haben. Er schreibt auf Seite 275:

„...Ohne diese Genussmotivation würde kein Affe auf die Idee kommen, sich zu paaren, da ihm der Zusammenhang zwischen Paarung und Fortpflanzung und deren Wichtigkeit für das Überleben der Art nicht bewusst ist...“

Dem muss ich deutlich widersprechen, denn da habe ich eine ganz andere Erfahrung! (Zu den Instinkten habe ich übrigens hier schon etwas geschrieben.)

Vor meiner Hormonbehandlung und der Operation hatte ich ein deutlich spürbares Bedürfnis nach Sex. Es (das Bedürfnis, nicht unbedingt die Erfüllung dessen) war einfach da. Es gehörte zum Leben dazu, fast so wie Atmen, Trinken, Essen, Schlafen. Das änderte sich bereits etwas mit der Hormonbehandlung. Ich bekam Chemie, die die männlichen Hormone, vornehmlich das Testosteron, unterdrückt und dazu als Ersatz ein Östrogen-Präparat. (Es soll äußerst ungesund sein und, wie ich gelesen habe, mit einem unschönen früheren Tod enden, wenn man nicht eines dieser beiden Hormone in sich hat...)

Ich spürte einen Zusammenhang zwischen weniger Testosteron und weniger Bedürfnis nach Sex. Deutlicher wurde dies noch ein Jahr später, als ich mir die Haupterzeuger des Testosterons abnehmen ließ. Je weiter ich mich zeitlich von der Operation entfernte, desto weniger Bedürfnis nach Sex hatte ich.

Ich hatte hier zuerst stehen: „...weniger Bedürfnis nach körperlichem Zusammensein...“, aber das ist es nicht. Ich habe immer noch ein starkes Verlangen nach Kuscheln, Streicheln und Schmusen. Das macht viel Spaß, ist ein Genuss, stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl und ist ja sooo schön! Vielleicht ist ein Grund, warum Frauen auf solche Dinge viel mehr Wert legen, ja im deutlich geringeren Testosteron-Spiegel zu suchen?

Aber der – ja ich muss schon sagen: fast allgegenwärtige – Drang nach Sex, den ich vor meiner Umwandlung verspürt habe, ist nicht mehr vorhanden. Mein Testosteron-Spiegel geht gegen Null, niedriger als bei einer schwangeren Frau...

Meine These ist also die, dass der reine Sexualtrieb zwar wohl an den Genusstrieb gekoppelt ist, der Genusstrieb die Körperchemie unterstützt, aber nicht alleine dafür verantwortlich ist. Es ist nicht so, dass eine Primaten-Art aussterben würde, wenn dieser Genusstrieb nicht da wäre, dafür ist einfach die Körperchemie – wenigstens in einer gewissen Lebensphase – zu stark. Meiner Meinung nach könnte es eher umgekehrt passieren...

Und als Verursacher des Bedürfnisses, sich fortzupflanzen, sehe ich das Testosteron. Beim Mann ausschließlich, bei der Frau im Zusammenspiel mit den Pegeln ihrer anderen Hormone. Ich kann zwar nicht sagen, dass ich dafür einen wissenschaftlichen Beweis habe, dafür bin ich alleine zu wenig. Aber wenn man sich die Entwicklung des Sexualtriebes und die Produktion der Hormone über das Leben eines Menschen ansieht, wird meine These dadurch eher gestützt: Es beginnt so richtig mit der Pubertät, zieht sich über die fruchtbare Phase (ja, die gibt es auch beim Mann, nur nicht mit einem so abrupten Ende!) und wird mit dem Alter ab den Wechseljahren schwächer.

Oh, ich wollte damit nicht sagen, dass das Körperliche bei mir nicht mehr funktioniert und mir etwas fehlt. Die Reizleitungen habe ich ja noch, lediglich die heftige Unterstützung (eine Zeit lang sah ich es als Zwang) durch die Chemie fehlt...

Ach ja: Unter meinen Leserinnen und Lesern gibt es mindestens eine Person, die mir immer wieder mal zu verstehen gibt, dass ich ruhig noch etwas offener sein könnte. Frage: „War das offen genug? Oder was meinst Du sonst damit?“