Na klar doch, Geschenke sind schön. Oder könnten es wenigstens sein. Sofern sie in die richtige Kategorie gehören! Nach meiner Definition gibt es drei Kategorien von Geschenken:

  • tolle Geschenke
  • lästige oder ungeschickte Geschenke
  • ärgerliche Geschenke

Tolle Geschenke sind die, die dem Beschenkten Freude bereiten, auf welche Art und Weise auch immer. Ob ich mich über den Vorgang des Schenkens freue, über das, was mir geschenkt wird, darüber, dass sich mein Gegenüber Gedanken gemacht hat, womit er mir eine Freude bereiten kann oder oder oder...

Dann gibt es lästige und ungeschickte Geschenke. Das sind solche Geschenke, bei denen der Schenkende einfach etwas schenkt, ohne sich mit dem Menschen auseinanderzusetzen, der beschenkt wird. Der Beschenkte weiß nicht so recht, was er mit dem Geschenk anfangen soll. Ein Pfeifenstopfer für einen absoluten Nichtraucher wäre in dieser Kategorie einzuordnen (sofern der Beschenkte nicht ausgerechnet ein Sammler von Pfeifenstopfern ist). Oder ein traumhafter Blumenstrauß, obwohl bekannt ist, dass der Beschenkte zwei Tage später für länger verreist.

Aber der Gipfel der „Schenkwut“ sind ärgerliche Geschenke. Ich nenne sie auch Zwangsgeschenke, denn das Geschenk soll den Beschenkten dazu zwingen, sich darüber zu freuen. Aber damit nicht genug, denn für Geschenke ist man ja üblicherweise dankbar. Zumindest so, dass man ein freundliches Gesicht aufsetzt und sich für das Geschenk bedankt. Man wird also zu Dank und damit auch indirekt Dankbarkeit gegenüber dem Schenkenden gezwungen (sofern man sich dazu zwingen lässt).

Ich gebe zu, das klingt etwas verworren. Aber stelle Dir mal folgende Situation vor:

Es gibt da ein Ereignis, zu dem man üblicherweise beschenkt wird. Im Vorfeld kommt jemand daher und sagt: „Ich möchte Dir XY zu diesem Ereignis schenken, in welcher Farbe möchtest Du das haben?“ Auch noch in Ordnung. Nein, sogar noch besser: Das ist toll, sollte man jedenfalls annehmen. Denn bevor dein Gegenüber etwas schenkt, das Dir nicht gefällt, fragt er. Doch jetzt kommt es dick:

Du hast für XY keine Verwendung, findest XY bescheuert oder was auch immer und willst XY nicht haben. Deine Antwort lautet also: „Sorry, ich finde es toll, dass Du mich vorher fragst, aber ich möchte kein XY haben. Tut mir Leid, dass deine Idee bei mir nicht ankommt, ist aber so.“ - „Du musst doch wissen, in welcher Farbe Du XY haben möchtest!“ - „Nein, muss ich nicht, denn ich möchte XY ja gar nicht haben!“...

Es spielt keine Rolle, ob Du nach ewigem Hin und Her schließlich einlenkst und irgendeine Farbe nennst oder die Frage ungeklärt bleibt. Du kannst auch sagen, dass Du lieber nichts geschenkt bekommen möchtest, bevor Du XY bekommst, es hilft alles nichts. Der Tag des Ereignisses kommt und Du bekommst was? Natürlich! XY!

Deine Reaktion fällt verständlicherweise nicht gerade überschwänglich aus und dein Gegenüber ist beleidigt, dass Du dich nicht freust. Und das, obwohl Du deine Meinung schon vorher klar und deutlich zum Ausdruck gebracht hast.

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich würde mich dabei nicht ernst genommen fühlen. Das ganze Vorgeplänkel war eine Farce, es war nichts als leeres Geschwätz und meine Meinung zählt überhaupt nicht. Und jetzt stelle Dir diese ganze Szene noch zwischen Kind und Eltern vor: Was für eine Meinung bekommt das Kind über sich und seinen Wert?

Ich möchte solche Menschen am liebsten durch die Nudelmaschine drehen...