Im Mentaltraining wird viel von alpha- und beta-Zustand gesprochen und daß der alpha ganz toll sei, um erwünschte langfristige Änderungen an sich zu beschleunigen oder besser zu verankern. Was ist das aber nun genau? Ich möchte dazu etwas weiter ausholen:

Von Strömen und Botenstoffen

Unsere Nerven arbeiten mit Strömen, das ist ja schon seit längerem bekannt. Die Medizin nutzt das zum Beispiel im EEG aus, um im Gehirn Vorgänge messen zu können.

Es ist auch seit längerem bekannt, dass es Neurotransmitter gibt. Adrenalin ist ja in aller Munde, Serotonin, Insulin und Dopamin dürften auch bekannt sein, aber auch das Glutamat und Glycin zählen zu den Neurotransmittern. Es gibt eine Unmenge davon. Neurotransmitter sind Botenstoffe, also reine Chemie, die hin und her geschickt werden und ebenfalls Informationen übermitteln.

Nanu? Was denn jetzt: Ströme oder Botenstoffe? Beides ist der Fall!

Das übliche Bild, das man von seinen Nervenbahnen hat, ist das, dass es eine „lange Leitung“ von der Nervenzelle bis ins Gehirn gibt, ähnlich wie die Stromleitung am Staubsauger. Die Nervenzelle erhält einen Reiz und schickt einen Strom durch die Nervenleitung zum Gehirn. Das Gehirn wertet die Ströme aus und sendet dann wieder Ströme aus, um auf den Reiz zu reagieren. Am PC läuft das ja auch so ab: Ich klicke auf das Druckersymbol, es geht ein „Reiz“ zum PC. Der wertet diesen Reiz aus und schickt die Daten zum Drucker. Oder man drückt auf der Tastatur eine Taste und der PC schickt das entsprechende Zeichen auf dem Bildschirm. Alles läuft über Ströme.

Die Nerven sind Stückwerk!

Aber in unserem Körper ist es nicht ganz so einfach. Hier ist es so, dass die Leitungen Stückwerk sind. Die Nervenleitungen sind unterbrochen. Genau sieht das so aus:

Nervenzellen bestehen aus einem Zellkörper mit Zellkern und vielen Nervenfasern. Meist ist da eine darunter, die sehr lang ist. Diese Fasern enden in einer Verzweigung. Die Verzweigungen wiederum haben eine Verdickung, die an der nächsten Nervenzelle anliegt mit einem winzigen Spalt dazwischen. Die Verbindung von dieser Verdickung zur nächsten Nervenzelle nennt man Synapse. Von der hat man auch schon mal gehört.

Auf den Nervenleitungen – jetzt wissen wir, das das die Nervenfasern sind – läuft alles mit Strom, das scheint die einfachste Lösung zu sein. Aber an diesen Unterbrechungsstellen – den Synapsen – kommen die Neurotransmitter zum Einsatz. Der Botenstoff wird durch den elektrischen Reiz am Ende des Leitungsstückes auf die Reise geschickt. Entweder zum nächsten Leitungsstück oder zu einer anderen Nervenzelle. Je nach der Art des elektrischen Reizes wird ein anderer Botenstoff aktiviert. Für jeden Botenstoff gibt es geeignete Andock-Stellen, damit dann auch wieder der richtige elektrische Impuls weitergegeben wird.

Angriffspunkt und Ausfallsicherheit

Die Synapse ist übrigens genau der Punkt, an dem Schmerzmittel, Psychopharmaka, Drogen oder andere Chemie ansetzen. Entweder hemmen sie das Aussenden des Botenstoffes, oder sie hemmen die Aufnahme des Botenstoffes oder sie legen den Verkehr der Botenstoffe lahm. Eine Alternative ist, gleich die Produktion des Neurotransmitters zu beeinflussen. Wieder andere Chemie geht genau den anderen Weg: Sie überschüttet die Synapsen mit Stoffen, die sich wie Neurotransmitter verhalten und sich an den Andock-Stellen breit machen. Die Möglichkeit, die Körperchemie auf diesem Wege zu beeinflussen, ist also Fluch und Segen zugleich.

Aber es hat noch einen weiteren Vorteil, dass die Nervenleitungen nicht am Stück durchgehen! So ist es nämlich deutlich einfacher möglich, bei einem Ausfall eines Teilstückes einfach einen anderen Weg zu suchen, um zum selben Ergebnis zu kommen! Wie die Umleitung bei einer Baustelle.

Nerven-technisch gesehen ist der Unterschied zwischen Körper und Kopf der, dass der Körper alle möglichen Aufgaben auszuführen hat, während es im Kopf zu einer Massierung der Nervenzellen kommt. Ja, der Aufbau ist auch im Gehirn ähnlich wie die Nervenzellen und Nervenleitungen im Körper, nur dass hier viel, viel mehr Neuronen vorhanden sind und die Entfernungen zwischen den einzelnen Neuronen sehr kurz sind.

Im nächsten Teil dieser kleinen Serie komme ich dann dazu, wie diese Erkenntnisse im Mentaltraining ausgenutzt werden können.