So, dann wollen wir mal sehen, was wir bereits wissen. Also: Nerven schwingen je nach Situation sowohl elektrisch als auch chemisch mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Je entspannter desto langsamer, je konzentrierter oder auch angespannter/stressiger/hektischer desto schneller. Je langsamer desto mehr nach innen gerichtet ist die Aufmerksamkeit, desto mehr sind wir im Unterbewusstsein, also das, was nicht Verstand ist.

Und was nützt uns das im Mentaltraining?

Dazu sollten wir erst mal klären, was Mentaltraining ist. Also:

Training ist ja so ziemlich klar, das wird etwas geübt, immer und immer wieder.

Und zu mental meint der Duden (http://www.duden.de/rechtschreibung/mental_geistig_gedanklich):

Den Bereich des Geistes betreffend, geistig.

Damit ist aber noch nicht geklärt, ob das Training nur im Geiste stattfindet oder der Geist trainiert wird. In der Tat passiert im Mentaltraining beides! Je nach Anwendungsfall!

Training im Geiste

Bewegungsabläufe werden trainiert, indem man die Bewegungen immer und immer wieder wiederholt. Das ist gängige Praxis. Aber: Auch wenn man sich die Bewegungen nur immer und immer wieder im Geiste vorstellt und sich richtig darauf konzentriert, werden diese Bewegungen trainiert! Damit lassen sich die praktischen Übungsphasen verkürzen, aber man kann auch trainieren, wenn man nicht physisch trainieren kann.

Noch besser: Man hat festgestellt, dass es den Muskeln sogar egal ist, ob sie tatsächlich bewegt werden oder ob man sich die Bewegung nur im Geiste vorstellt. Es wird in beiden Fällen der Muskel trainiert. Das geht sogar so weit, dass sich nur durch die Vorstellung der Bewegung Muskelmasse aufbauen kann!

Training des Geistes

Im Training des Geistes sehe ich die noch viel enormeren Potentiale des Mentaltrainings!

Aber warum sollte der Geist überhaupt trainiert werden? Und was sollte ich denn trainieren?

Das sind grundlegende Fragen, ohne deren Beantwortung ein Mentaltraining wenig Wert hat. Um sie beantworten zu können, sollten wir uns einmal deutlich vor Augen führen, was denn der Geist tut, was für Aufgaben mein Geist erfüllt.

Von ganz automatischen Reaktionen, wie es die Reflexe und Instinkte sind, ein mal abgesehen, geschieht nichts, was ein Mensch tut, ohne die Mitwirkung des Geistes. Manche sagen Denkapparat dazu, aber ich sage, dass das zu kurz gegriffen ist. Denn auch Gefühle und Unterbewusstsein spielen in den Geist mit hinein.

Aber zurück zu der Frage, was der Geist überhaupt tut. Na, er ist der Urheber aller unserer „Taten“! Ohne einen Gedanken „Ich mache jetzt dieses oder jenes“ wird kaum jemand seinen Hintern in Bewegung setzen und etwas tun.

Die Macht der Gedanken...

Die meisten Dinge im Alltag regeln sich auf einer Ebene, wo man nicht groß nachdenkt. Wohl kaum jemand wird sich groß Gedanken darüber machen: „Ich gehe jetzt in die Küche und hole mir ein Glas Wasser, weil ich Durst habe.“ Das ist bereits etwas, das auf die Ebene des Automatischen gerutscht ist. Es sind zwar die Gedanken, die uns zum Handeln bringen, aber oft genug sind uns diese gar nicht mehr bewusst. Ein an-trainiertes, unterbewusstes Verhalten läuft ab. Damit dieses „Programm“ ablaufen kann, braucht es einen Trigger, einen Anreiz, in diesem Fall Durst.

Solche Gewohnheiten werden übrigens in einem speziellen Areal des Gehirns abgespeichert. Das sind die Basalganglien. Dieses Areal reagiert auf bestimmte Auslösereize, mit denen das gewohnheitsmäßige Handeln in Gang gesetzt wird.

...und Programmierungen

Was aber passiert, wenn das Programm mittlerweile veraltet ist und/oder (gerade) nicht mehr passt? Was ich meine? Nun, stelle Dir vor, Du hast eine wunde Stelle im Mund und willst dir deine Zähne so putzen, dass Du diese Stelle möglichst nicht berührst. Und? Funktioniert es? Ja, es geht, aber nur sehr schwer und mit sehr viel Konzentration. Das Programm läuft ja im Unterbewusstsein ab und ist damit größtenteils unserem bewussten Willen entzogen. Auf die Basalganglien können wir nur mit enormem Aufwand bewusst zugreifen.

Das mir der wunden Stelle im Mund ist glücklicherweise eine vorübergehende Sache. Anders sieht es mit „Programmierungen“ aus der Kindheit aus. Wer kennt sie nicht, solche Aussagen wie:

  • das tut man nicht

  • dazu bist Du zu klein

  • das ist nichts für Dich

  • Geld verdirbt den Charakter

  • das kapierst Du sowieso nicht

  • dazu bist Du ein zu kleines Licht

  • dazu bist Du nicht gut genug

  • ...

Diese Liste ließe sich unendlich fortsetzen.

Fällt Dir daran etwas auf? All diese Aussagen sind eine Beschränkung! Du erinnerst Dich an das folgende Bild?

 

Ich_Ei_Input

Bis sich das kritische Filter ausgebildet hat, nimmt der kleine Mensch alles für bare Münze und verankert es. Je öfter er etwas erlebt/gesehen/gehört hat, desto fester wird es verankert. Ich behaupte: Auch Du hast solche beschränkenden „Glaubenssätze“ in Dir verankert! Vielleicht nicht alle, vielleicht nicht diese, aber es sind Beschränkungen deiner Gedanken da. Und wie war das doch gleich? Vor der Handlung kommt der Gedanke. Wenn nun aber deine Gedanken beschränkt sind, wie willst Du frei und unbeschränkt handeln können?

Mist! Muss ich jetzt auf immer damit leben?

Freilich, das ist auch eine Möglichkeit.

Die andere Möglichkeit wäre, das Programm umzuschreiben, sprich: mein Verhalten, meine Reaktion oder mein Denken zu ändern. Sicher, das ist eine echte Herausforderung. Hier bedarf es einer Technik, die am kritischen Filter vorbei eine neue „Programmierung“ setzt. Genau das kann Mentaltraining leisten!

Das Mentaltraining besteht dabei immer aus zwei Teilen:

Erst entspannen, ...

Wir haben ja im zweiten Teil dieser kleinen Serie gelernt, dass wir unserem Unterbewusstsein näher sind, wenn wir entspannt sind. Aber nicht jede Methode zur Entspannung ist für jeden geeignet oder in jeder Situation passend. Eine gut auf die einzelne Person abgestimmte Entspannungsmethode ist also die halbe Miete zum Erfolg des Mentaltrainings. Bei allen Mentaltechniken ist also der erste Schritt, dass man sich entspannt, unter die 14 Hz-Grenze in den alpha-Zustand rutscht und damit aufnahmebereiter wird.

...dann verankern

Das Kernstück des Mentaltrainings und die andere Hälfte eines erfolgreichen Mentaltrainings. Auch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, eine Programmierung vorzunehmen. Und wie bei den Entspannungstechniken ist auch nicht jede Art der Programmierung für jedes Thema oder jeden Menschen gleich gut geeignet.

Flow-Bereich

Ein weiterer Knackpunkt ist die Glaubensfähigkeit der Programmierung. Komplizierter Ausdruck? Ja, aber die Bedeutung ist relativ einfach: Wenn ich überhaupt nicht glauben kann, was ich da programmieren will, dann funktioniert auch die Programmierung nicht.

Wenn sich jemand beispielsweise das Rauchen abgewöhnen will, aber nicht glauben kann, dass er das schafft, dann kann er programmieren sooft er will, es wird einfach nicht funktionieren. In diesem Fall ist es einfacher, das große Ziel „nicht mehr rauchen“ in kleinere Einheiten auf zu splitten. Auch dem heftigsten Raucher fällt es deutlich leichter zu glauben, dass er seinen Konsum für eine gewisse Zeit erst mal um zwei oder drei Zigaretten am Tag reduzieren kann.

Man sagt dazu auch:

Die Programmierung muss im Flow-Bereich sein.

Belohnung aufspüren

Alles,was ein Mensch tut, hat einen Grund, auch wenn manchmal nicht zu erkennen ist, was das ist. Aber die Basisprogrammierung eines Menschen ist ja

Schmerz vermeiden, Freude empfinden, Energie sparen.

Eins der beiden ersten ist immer beteiligt, wenn wir etwas tun. Eines dieser Bedürfnisse wird immer befriedigt, wenn wir etwas tun. So ist das zum Beispiel auch bei Angewohnheiten, die wir gerne los hätten. Wenn ich also etwas programmiere, um mein Verhalten zu ändern, dann habe ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht, wenn ich das Bedürfnis nicht auf andere Weise befriedige. Also habe ich in diesem Fall auch nachzusehen, welches meiner Bedürfnisse denn einen Ausgleich braucht, wenn ich die Angewohnheit los werden will, sonst hat sich schneller als ich schauen kann eine andere unerwünschte Angewohnheit breit gemacht.

Eines darf Dir aber klar sein:

Am Anfang stehen Wollen und Geduld

Das, was Du dir in jahrelanger oder gar jahrzehntelanger Übung an-trainiert hast, lässt sich nicht mit einem Finger-schnippen ungeschehen machen und überschreiben. Dazu sind Ausdauer, Geduld und der feste Wille, etwas ändern zu wollen, angesagt.

Glauben stärken

Aber das Mentaltraining kann nicht nur dazu verwendet werden, Gewohnheiten, Denkmuster oder Verhaltensweisen zu ändern. Wenn das da klappt, wie gut muss das dann erst funktionieren, um erwünschtes Verhalten oder deine „guten“ Gedanken zu stärken und vielleicht auf ein einziges Ziel zu lenken?

Stelle Dir dazu mal einen Hochleistungssportler vor. Er hat immer bestens trainiert und ist körperlich sehr gut für seinen Wettkampf vorbereitet. Wenn er nun Mentaltechniken anwendet, um seinen Glauben zu stärken, dass er auch gewinnen wird, dann steht einem Sieg von seiner Seite nichts mehr im Wege.

Das muss sich aber nicht auf den Sport beschränken. In jeder Lebenslage kann man Herausforderungen besser begegnen, wenn man sich mental gestärkt hat.

Erst wenn Bewusstsein und Unterbewusstsein zusammenarbeiten, nutze ich 100%!

Dann nutzt man nicht nur die 12 Prozent seines Ichs, die dem bewussten Denken und Willen zugänglich sind. Dann nutzt man sein volles Potential und ist man mit seinem ganzen Selbst dabei!

Ich_Ei_88

 

In der Regel kommt man mit den Mentaltechniken gut zurecht, wenn man sich im alpha-Zustand befindet. Bei „hartnäckigen Verkrustungen“ ist dann vielleicht Hilfe von außen und der theta nötig. Aber das wirst Du dann schon merken, wenn es nicht weiter geht. Oder dein Coach.

Hiermit beschließe ich diese kleine Serie. Alles Weitergehende hat nun wirklich nichts mehr mit Neuronen zu tun.