Oh weh, das sind zwei Begriffe, mit denen ein aufgeklärter Mensch nicht unbedingt in Verbindung gebracht werden will. Aber wie weit reicht die Aufklärung, wenn man damit nicht in Verbindung gebracht werden will?

Warum scheuen vor allem Wissenschaftler und Techniker, aber auch Otto Normalverbraucher jeglichen Kontakt damit wie der Teufel das Weihwasser? Ich denke, es liegt daran, dass die Bedeutung der Begriffe nicht wirklich bekannt ist. Man hat eine vage Vorstellung davon, was es sein könnte, weiß es aber nicht so recht.

Esoterik kommt vom altgriechischen esōterikós, was „innerlich” bedeutet. Der Begriff war in der ursprünglichen Bedeutung die Bezeichnung für eine philosophische Lehre, die nur für einen begrenzten „inneren” Personenkreis zugänglich ist. Es ging also um inneres Wissen, das nur einem beschränkten Personenkreis zugänglich war.

Aber was ist inneres Wissen? Ich stelle mir dazu eine Kräuterfrau vor, die sehr viel Wissen über die Kräfte der Pflanzen und Kräuter hat. Kräfte, die heilend, die aber auch zerstörend wirken können. Man denke nur an Belladonna oder den Fliegenpilz, die in der Homöopathie zur Hilfe genommen werden, um zu heilen. Wenn hier nicht sehr vorsichtig dosiert wird, dann geht der Schuss nach hinten los, die Heilung ist im Eimer und der Patient auch. Dieses Wissen in der Hand einer Charakter-schwachen Person? Na ich weiß nicht. Mir wäre es lieber, wenn der Personenkreis, der solches Wissen hat, beschränkt ist...

Okay, das war vielleicht ein nicht so gelungenes Beispiel, denn es sollte eigentlich jeder wissen, dass man weder die Tollkirsche noch den Fliegenpilz als Mahlzeit zubereiten sollte. Aber Du kannst dir sicherlich, genau wie ich, viele Themenbereiche vorstellen, wo das Wissen um die inneren Kräfte, das esoterische Wissen, nicht allgemein zugänglich sein sollte. Deshalb finde ich es übrigens auch etwas befremdlich, dass solches Wissen in Büchern zu kaufen ist.

Metaphysik kommt ebenfalls aus dem Griechischen und ist ein zusammengesetztes Wort. Physik bedeutet „das Natürliche, das Greifbare”. Meta ist eine Vorsilbe und bedeutet „darüber hinausgehend”. Metaphysik ist also all das, was über das Greifbare hinausgeht. Wenn ich mir überlege, dass zum Beispiel Energie nicht wirklich greifbar ist, dann kann es nicht anders sein, dass jeder Physiker gleichzeitig Metaphysiker ist! Man kann die Wirkung der Energie sehen, messen, spüren, aber die Energie an sich ist weder messbar, noch greifbar, noch spürbar. Einzig die Wirkung der Energie können wir erfassen.

Der schlechte Ruf der Metaphysik kommt aus Zeiten, die wir mit der Aufklärung eigentlich überwunden haben sollten. Bis dahin hatte die Kirche ja einen sehr großen Einfluss auf das Leben und das Weltbild. Die Kirche kanzelte damals alles als Metaphysik ab, was nicht in ihre Weltbild und zu ihrer Lehre passte. Metaphysik war schlecht, war gottlos. Und wer wollte in diesen damaligen Zeiten schon mit gottlosem Zeug zu tun haben? Vor allem, wenn die Exkommunikation oder gar der Scheiterhaufen drohte?

Wir haben zwar viele der Beschränkungen der Kirche überwunden (und die Kirche hat sich ja auch etwas an die moderneren Zeiten und deren Wissen angepasst), aber es sind immer noch solche Relikte, die, unbesehen und nicht wirklich hinterfragt, einfach so übernommen wurden und uns heute immer noch das Leben schwer machen.

Wir sind heute meiner Meinung nach übrigens in einer sehr ähnlichen Situation wie damals vor der Aufklärung. Allerdings legt uns heute weniger die Kirche als die Wissenschaft die Beschränkungen auf. Ich hoffe, die Aufklärung 2.0 kommt bald. Mein Blog-Beitrag dazu schwirrt mir schon im Kopf herum und lässt sicherlich nicht lange auf sich warten.