Ups, soll das heißen, ich sage: Zurück zu Feudalherrschaft, Diktatur, Monarchie oder was der Alleinherrschaften mehr sind? Na ja, ein Alleinherrscher, bei dem das Wohl seines Volkes an erster Stelle steht, ist ja auch nicht die schlechteste Regierungsform. Vor allem gibt es kurze Entscheidungswege...

Aber so was lässt sich natürlich sehr leicht ausnutzen. Und zugegeben: Kein Alleinherrscher – und sei er noch so weise – findet alleine immer den allerbesten Weg, wenn es ein Problem zu lösen gibt. Er braucht Berater, die ihm hilfreich zur Seite stehen. Diese Berater aber haben eigene Interessen und wer kann schon sagen, dass sie auch immer ihre Interessen hinten anstellen, wenn sie raten sollen?

Dann hängt bei dieser Regierungs-/Gesellschaftsform das Wohl und Wehe des Volkes von der Person des Regierenden ab. Was kommt danach? Wer will ihm vielleicht an den Kragen, um selbst diese Macht zu bekommen? Da sind einfach zu viele Unwägbarkeiten, das Risiko für das Volk ist einfach zu hoch, irgendwann schließlich doch in der Scheiße zu landen...

Also doch Demokratie?

Nun ja, die Demokratie schließt viele der gerade genannten Risiken aus. Das Volk kann sich per Wahl aussuchen, wer es regiert. Nur dumm, wenn man nur die Wahl zwischen Teufel und Beelzebub hat. Und auch die gewählten Vertreter haben nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen, so dass auch sie Berater brauchen. Zu den Beratern gesellen sich in der Demokratie dann noch die Lobbyisten hinzu, die ja wirklich nicht frei von eigenen Interessen sind. Je finanzkräftiger die Lobby ist, desto mehr Gehör kann sie sich verschaffen.

In der heutigen Demokratie kommt dann auch hinzu, dass diejenigen, die das Sagen haben, ihr Brot mit der Politik verdienen. Ja, sie richten bereits sehr früh in ihrem Leben alles darauf aus, Politiker zu werden. Oft haben sie vom „wahren Leben“ sehr wenig Ahnung...

Ihre Entscheidungen fallen dann oft genug so aus, dass sie möglichst viel Chancen haben, bei der nächsten Wahl wieder zu den Siegern zu gehören. Saubere Arbeit bleibt da notgedrungen auf der Strecke.

Aber auch wenn einigermaßen richtige Arbeit geleistet wird: Auch in einer Demokratie bleiben immer welche auf der Strecke. Demokratie ist zwar vom Grundsatz her die Herrschaft der Massen, aber eben auch nicht die Herrschaft aller!

Was ich damit meine? Wenn ein Problem zur Lösung ansteht, dann sieht man zu, dass möglichst viele einen Nutzen daraus haben – oder umgekehrt betrachtet, dass möglichst wenige einen Schaden dadurch erleiden. Aber alle kann man nicht unterbringen. Es gibt zwar teilweise endlos erscheinende Diskussionen, aber irgendwann ist Schluss und es wird abgestimmt, bevor eine Lösung erreicht ist, die alle zufriedenstellen kann.

Sind das die Schattenseiten der modernen Gesellschaft?

Ja und nein! Es sind die Schattenseiten einer patriarchal strukturierten Gesellschaft, egal ob sie als Kapitalismus, freie oder soziale Marktwirtschaft oder als Sozialismus daher kommt. Wobei dem Sozialismus von der Grundidee her noch die allgemein verträglichste Lösung zugeschrieben werden könnte. Wie diese Gesellschaftsformen allerdings gelebt werden, ist immer menschliche Auslegungssache...

Dabei konnte die Menschheit auch schon anders! Allerdings muß man da in der Geschichte weit zurückgehen – oder sich die „unterentwickelten“ Naturvölker mal genauer ansehen. Die meisten dieser Völker haben bei Entscheidungen ein teilweise noch endloseres Palaver als in der Demokratie. Aber hier wird tatsächlich so lange nach einer allgemein verträglichen Lösung gesucht, bis jeder damit gut leben kann. Und das nicht nur, weil er überstimmt oder nieder-geschrien wird.

Freilich dauert es auf diesem Wege oft lange, bis die ideale Lösung gefunden wird – ideal in dem Sinne, dass eben alle gut damit leben können. Aber auf der anderen Seite hat es den enormen Vorteil, dass sich keiner als Verlierer fühlt. Unmut über diese Lösung kann auf diese Weise gar nicht erst entstehen. Mit der Folge, dass keiner gegen die dann geltenden Abmachungen protestieren wird – auf legale oder gar illegale Weise. Eine Gesellschaft, die ihre Probleme auf diese Art löst, wird viel, viel friedlicher und menschlicher miteinander umgehen als eine Gesellschaft, in der es immer wieder Verlierer gibt – gefühlt oder tatsächlich.

Echte Lösungssuche bedeutet auch echte Kommunikation

In diesen Diskussionen kann man auch feststellen, dass einer dem anderen wirklich zuhört. Denn hier geht es nicht darum, seine Idee, seine Gedanken, seinen Willen durchzusetzen sondern darum, einen für alle tragfähigen Konsens zu finden. Also ist man schon alleine deshalb gezwungen, zuzuhören und festzustellen, um was es dem anderen wirklich geht. Dort findet echte Kommunikation statt!

Ach, übrigens: Das Wort Patriarchat leitet sich nicht wirklich von Männerherrschaft ab. Allerdings hat sich im Laufe der Entwicklung der Menschheit eben die Herrschaft des Mannes (Vater) herausgebildet(, woran die jüdisch basierten Religionen wenigstens im Westen nicht ganz unschuldig sind). Patriarchat kann man daher auch eher als Alleinherrschaft oder Herrschaft von wenigen umschreiben.

Das Gegenteil von Patriarchat ist daher auch nicht das Matriarchat, was impliziert, dass die Frau/Mutter das Sagen hätte. Man könnte es dagegen als die Herrschaft aller bezeichnen. Wo jeder seine Meinung kundtun kann und diese auch gehört wird! Denn mal ganz ehrlich: In der Demokratie darf zwar jeder seine Meinung sagen, aber es bewirkt nicht wirklich etwas, wenn man mit seiner Meinung nicht gerade zu einer der größeren Gruppen gehört. Und das umso lautere Tamtam der kleineren Gruppen wird zwar vernommen, aber nicht wirklich gehört...

Beginne im Kleinen

Wenn Du – wie ich – etwas verändern willst, dann fange im Kleinen an: Bei deiner Familie, in der Partnerschaft – oder noch kleiner – bei Dir selbst. Es gibt (meist) nicht nur die eine oder andere Lösung, nicht nur schwarz und weiß! In der Regel gibt es noch eine dritte und vierte und fünfte Alternative...

Ja, man darf diese Alternativen ernst nehmen, so ernst, dass man sich auch wirklich damit beschäftigt. Man darf sie so ernst nehmen, dass man nach neuen und noch besseren und umfassenderen Lösungen suchen darf, bei denen alle gewinnen, statt Zugeständnisse zu machen, die später oft als schmerzhaft empfunden werden. Und wenn alle nur deinen inneren Zwiespalt betrifft.