Ich treffe häufig auf Selbstdarstellungen von Unternehmern, wo ständig von wir und uns die Rede ist. Das wäre nicht weiter tragisch, wenn in diesen Unternehmen auch mehrere Leute tätig wären. Aber bei Unternehmen, die eine One-Man- oder One-Woman-Show sind, kommt das mehr als befremdlich rüber.

Auch wenn Dir bereits klar ist, dass ein Mensch sich aus vielen Facetten zusammensetzt (Freude, Trauer, Lust, Laune, Angst, Mut, Ärger, und so weiter): Diese Teile zusammen machen Dich als Mensch aus. Es ist nicht nötig, dass Du diesen Sachverhalt so auch in deiner Selbstdarstellung in die Welt trägst. Aber zurück zum Thema:

Wer kennt das nicht: Man hat einen Blog oder einen Newsletter. Anfangs schreibt man ganz euphorisch, aber im Laufe der Zeit tröpfeln die Beiträge nur noch so dahin, der Newsletter kommt auch nicht mehr im geplanten Rhythmus und das Schreiben wird mit der Zeit schon fast eine Qual. Und es dauert auch entsprechend lange. Nicht gerade motivierend, von rentabel keine Spur!

Was ist der Grund?

Mal Hand aufs Herz: Was für Texte liest Du lieber: Bürokraten-Deutsch, Rechtsanwalt-Deutsch, Beamten-Deutsch, hochgestochen wissenschaftliche, kompliziert formulierte oder solche, die einfach lesbar sind?

Ich kann mir vorstellen, dass sich jetzt die meisten für die letzte Sorte von Text entscheiden. Wenn ich einen kompliziert formulierten Text lese, dann muss ich viel meiner gedanklichen Energie erst mal auf das Entwirren des Textes verwenden. Da bekomme ich leicht eine Abneigung gegen den Text, auch wenn der Inhalt noch so interessant ist und mich ansprechen könnte. Immerhin habe ich ja ein Energiesparprogramm eingebaut und hier muss ich mehr Energie aufwenden als nötig wäre.

Ja, das ist eine wichtige Frage, wenn man schreibt. Überhaupt wenn man Nutzen für den Leser transportieren will. Und damit sind wir eigentlich auch schon beim Lösungsansatz:

Wenn ich möchte, dass der Leser einen Nutzen von meinem Text hat, dann habe ich in der Regel ja auch schon eine Vorstellung davon, welchen Nutzen er genau haben soll. Daraus ergibt sich dann praktisch von selbst, was nötig ist, um diesen Nutzen zu erreichen.

Nein, ich will hier nicht über den Anfang der Nahrungskette schreiben, auch wenn das sicherlich ein sehr ergiebiges Thema wäre. Immerhin wird ein Pottwal ausschließlich von Plankton satt.

Vor allem für Leute, die regelmäßig für andere schreiben, ist es extrem wichtig, immer genug Themen in der Pipeline zu haben. Ganz egal, ob ich einen Blog schreibe, Texte für einen Newsletter oder eine Kundenzeitung brauche, immer wieder ein paar kostenlose, neue Infos auf meiner Homepage zur Verfügung stellen will: Neue interessante Themen sind das Ein und Alles! Nur dann wird und bleibt der Blog, der Newsletter, die Kundenzeitung, die Homepage interessant. Und damit sind wir beim Plankton:

Niemand macht irgendetwas ohne Grund, auch schreiben nicht. Es kann sehr interessant und vor allem hilfreich sein, die Motivation dahinter zu kennen.

Es gibt viele Gründe zu schreiben: Einfach so für sich, zum Beispiel ein Tagebuch oder irgendwelche Notizen. Dann gibt es ja geschäftliche Korrespondenz, die einfach nötig ist und schließlich gibt es die Texte, in denen man sich anderen mitteilen will, sein Wissen, seine Meinung und/oder seine Erfahrungen teilen und weitergeben will, oder man will einfach nur eine Geschichte erzählen.

Vor ein paar Tagen habe ich mit einer ganz lieben Freundin telefoniert. Und bei einem Thema meinte Sie: „Weißt Du, ich habe nach einem Paar-Coaching mal was für die beiden geschrieben, so ganz aus dem Bauch heraus. Das passt hier ganz gut zu diesen Thema. Das schicke ich Dir, lies es einfach mal. Es ist nicht so kompliziert wie es vielleicht scheinen mag.“ – Oh, wie recht sie mit dem kompliziert doch hatte. Doch mit dem „scheinen" bin ich nicht ganz einverstanden.

Das erste Mal, als ich versuchte, diesen Text zu lesen, habe ich beim dritten Absatz aufgehört. 'Nicht jetzt, ich stecke gerade voll im nachmittäglichen Verdauungsloch. Da brauche ich mehr Konzentration.'

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