Niemand macht irgendetwas ohne Grund, auch schreiben nicht. Es kann sehr interessant und vor allem hilfreich sein, die Motivation dahinter zu kennen.

Es gibt viele Gründe zu schreiben: Einfach so für sich, zum Beispiel ein Tagebuch oder irgendwelche Notizen. Dann gibt es ja geschäftliche Korrespondenz, die einfach nötig ist und schließlich gibt es die Texte, in denen man sich anderen mitteilen will, sein Wissen, seine Meinung und/oder seine Erfahrungen teilen und weitergeben will, oder man will einfach nur eine Geschichte erzählen.

Schreibst Du nur für Dich...

Mir hilft das Schreiben beispielsweise oft, meine Gedanken zu sortieren und auf den Punkt zu bringen. Auch verwende ich das Schreiben immer wieder, um mich überhaupt einmal mit einem Thema auseinanderzusetzen, die verschiedenen Gesichtspunkte oder Pro und Contra zu sammeln und zu beleuchten. Das ist dann oft genug für die Schublade, manchmal landet es hinterher gleich in der Ablage P. Aber das ist für mich ganz in Ordnung so. Es hat ja seinen Zweck erfüllt.

Wenn Du nur für dich schreibst, dann ist es egal, wie es aussieht, ob Fehler enthalten sind, ob ein anderer deinen Gedanken folgen kann, ob der Text strukturiert ist, ob er der Logik folgt oder ob es ausformuliert ist. Du kennst ja deine Gedanken dazu.

...oder auch für andere?

Wenn Du allerdings etwas schreibst, was andere zu lesen bekommen, dann ist das etwas anderes. Schließlich soll der Leser ja auch verstehen, was Du ihm sagen willst. Der Leser soll dann ja irgendeinen Nutzen aus deinem Text ziehen, und sei es nur, dass er sich gut unterhalten fühlt. Doch dafür ist es einfach notwendig, nicht nur aufzuschreiben, was einem zu diesem Thema in den Sinn kommt, sondern sich den Text auch einmal aus Sicht des Lesers anzusehen.

Meine Richtschnur

Mein Vorgehen ist (meistens), dass ich mir ein paar Stichpunkte notiere, was ich zu diesem Thema sagen will. Dann schreibe ich darauf los und fast immer läuft es dann auch ganz gut. Wenn ich mich dann „leer“ geschrieben habe, beginnt die eigentlichen Arbeit.

Wenn ich nicht mit Stichpunkten arbeite, dann habe ich oft das Problem, dass ich mich mit meinem Text verlaufe. Ich schneide hier und da etwas an, ohne richtig darauf einzugehen. Oder es stockt plötzlich und ich weiß nicht mehr weiter. Schließlich frage ich mich entnervt: „Und? Was will ich jetzt überhaupt sagen?“ Dabei stellt sich dann vielleicht heraus, daß das Ziel dieses Textes nicht klar ist, gar kein wirkliches Ziel vorhanden ist oder ich zu sehr in der Breite statt in der Tiefe arbeite. Oft genug wird alles wieder gelöscht und ich fange von vorne an.

Jetzt geht die Arbeit richtig los

Wenn dann der erste Entwurf steht, dann wird die Rechtschreibung und Zeichensetzung kontrolliert. Ich sehe nach, ob ich Bandwurmsätze habe. Sätze oder ganze Absätze werden verschoben, so dass sie von der Logik her besser passen und ich sehe nach, ob zu den einzelnen Aspekten auch alles gesagt/geschrieben ist, damit der Leser meinen Gedanken folgen kann. Und ich arbeite an meinem Stil: Klingt es zu gestelzt? Habe ich vielleicht zu viele Fach- oder Fremdwörter drin? Spricht ein Mensch überhaupt so? Bin ich zu schwafelig?

Immer wieder lasse ich den Text auch noch eine Weile liegen und lese ihn dann mit etwas zeitlichem Abstand nochmal durch. Dabei fällt mir dann auch auf, wo der Lesefluss noch hakelt, nicht ganz klar ausgedrückt ist, was ich überhaupt sagen will und solche Dinge. Aber das ist keine feste Regel. Es gibt auch Texte, bei denen habe ich ein so gutes Gefühl, dass ich sie gleich abhake, online stelle oder was auch immer ich damit vorhabe. Zu meinem Leidwesen stelle ich dann hinterher immer noch zu oft fest: Mit einem kleinen Mehraufwand hätte ich ein erhebliches Stück besser schreiben können...

Von hinten durchs Knie ins Auge

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Hier habe ich bewusst viele Aspekte, auf was es bei einem Text ankommt, angeschnitten, ohne in die Tiefe zu gehen und bin flach geblieben, um mal einen ersten Überblick zu geben, weil es zu jedem einzelnen Aspekt so viel zu sagen gibt, dass man damit Bücher füllen könnte, was ja auch schon genug Leute getan haben.

Aber ein bisschen konkret will ich heute doch noch werden. Schau' Dir mal den letzten Absatz etwas genauer an. Ich weiß ja nicht, was Dir daran auffällt. Ich sehe: Hier ist ein einziger, ewig langer Satz, der verschachtelt ist. Außerdem enthält er Zusatzgedanken, die wohl besser in einem eigenen Satz aufgehoben wären Also hier noch einmal, jetzt verbessert:

So ist es besser

Mit dem Thema „Texte schreiben“ kann man ganze Bücher füllen. Es gibt dazu ja auch eine Menge Literatur auf dem Markt. Aber weil ich heute nur einen ersten Überblick geben möchte, bin ich gezielt flach geblieben und ich habe ganz bewusst auf Breite gesetzt, anstatt in die Tiefe zu gehen. Es wäre einfach zu viel, alles in einem einzigen Artikel verarbeiten zu wollen.

Ergebnis: Aus einem Satz wurden drei Sätze, aus 313 Zeichen 367 Zeichen. Dafür, dass der Abschnitt jetzt deutlich besser lesbar ist, nehme ich gerne in Kauf, dass ich dafür ein paar Zeichen mehr brauche. Es dient ja nicht dem Schwafeln sondern dem Verständnis. Fasse Dich kurz ist immer gut, aber nicht auf Kosten des Verständnisses.

Und ja, Du vermutest richtig: Ich drohe hiermit an, dass ich zum Thema Schreiben noch mehr von mir geben werde...