Das passiert auch mir immer wieder. Da schreibe ich und schreibe ich und wenn ich fertig bin und den Text noch mal durchlese, dann stelle ich fest: Mist, das ist ja total am Thema vorbei! Setzen, sechs!

Oder doch nicht?

Bei Texten, die in einem Rutsch geschrieben sind, gibt es meist kein Problem, direkt dicht am Thema zu bleiben. Außer ich vergaloppiere mich völlig und gehe dann voll am Thema vorbei. Bei solchen Texten hakt es dann höchstens daran, dass die Struktur vielleicht nicht ganz logisch ist oder auch, dass ich nicht alle Informationen weitergebe, die nötig sind, damit der Leser meine Gedankengänge und Folgerungen nachvollziehen kann. Aber das lässt sich hinterher ja locker überarbeiten.

Bei Texten, die nicht so flott von der Hand gehen, kann es dagegen schon leichter passieren, dass man vom Hölzchen aufs Stöckchen kommt. Man beleuchtet plötzlich Nebenschauplätze, die man zuvor gar nicht im Fokus hatte. Die möglicherweise auch gar nichts mehr mit dem eigentlichen Thema zu tun haben.

Ursachen

Bevor ich mir überlege, wie ich mit diesem Text weiter verfahre, mache ich mir erst einmal Gedanken darüber, warum der Text daneben gegangen ist. Daraus ergeben sich schon von selbst die Lösungsansätze.

Mein Favorit der Auslöser ist:

Im gestreckten Galopp am Thema vorbei...

Das sind die Texte, die zwar locker laufen, dann aber voll am Thema vorbeigehen.

In diesem Fall gibt es eben ein Thema, das so sehr im Vordergrund meiner Gedanken ist, dass es auf die ein oder andere Art heraus wollte. Das finde ich überhaupt nicht schlimm. Im Gegenteil: Ich bin dankbar, dass ich hier einen Text geschrieben habe, der mir nur so zugeflossen ist. Das ist die einfachste und leichteste Art zu schreiben!

Und praktisch ist es auch noch! Ich habe einen zusätzlichen Text, wo ich mir keine Gedanken darum machen musste: Was schreibe ich nun?

...oder nur knapp vorbei

Na ja, dafür ist dann das Überarbeiten da.

Mit Kaugummi zum Nebenschauplatz

Das sind bei mir dann die Texte, an denen ich ewig hänge. Wo ich heute diesen Teil, übermorgen jenen Teil und in zwei Wochen oder gar Monaten dann noch einen Teil schreibe. Wo ich auch irgendwann die Lust daran verliere.

Hier gibt es vielfältige Gründe:

  • ich habe zu wenig Informationen über das Thema

  • ich habe das Thema für mich noch nicht auf die Reihe bekommen, blicke noch nicht wirklich durch

  • die Zeit ist/ich bin noch nicht reif für diesen Text

  • das Thema ist noch zu groß gefasst

  • es ist eigentlich gar nicht mein Thema

  • ...(, der Bauch gibt Auskunft)

Selten ist es ein einziger Grund, der verhindert, dass ich diesen Text überhaupt mal brauchbar geschrieben bekomme, von einem guten Text ganz zu schweigen. Meist ist ein weiterer Grund wenigstens unterschwellig daran beteiligt.

Lösungen

1. Voll daneben

Auch gut, dann nehme ich doch das Geschenk dieses Textes an. Wenn ich das ursprüngliche Thema trotzdem brauche, dann beginne ich eben neu.

2. Knapp vorbei

Dann heißt es: Ausmisten, entrümpeln, auf Linie bringen. Wo komme ich von der Linie ab? Was ist davon tatsächlich nötig? Was kann ich ersatzlos streichen? Was sollte ich kürzer fassen? Wo fehlt es noch an Erläuterungen oder Ausführungen? Auf was sollte ich vielleicht hier verzichten und dafür in einen anderen Text auslagern?

3. Zu wenig Informationen, noch nicht wirklich mit dem Thema durch?

Braucht es da noch nähere Erläuterungen? „Ab auf die Schulbank!“

4. Thema zu groß

Siehe Plankton-Thema

5. Nicht mein Thema

Warum schreibe ich dann überhaupt darüber? Muß ich? Dann muß ich eben in den sauren Apfel beißen und mich durch kämpfen. Muss ich nicht? Dann ab damit in die Tonne! Oder in die Ideensammlung für später. Aber Vorsicht: Es ist selten gut, einen angefangenen Text für später aufzuheben. Thema und ein paar Stichworte dazu reichen. Dann hat man später den Kopf frei für neue Gedanken zu diesem Text.

6. Noch nicht reif, Bauchgefühl

Dieser Grund ist am schwersten zu erkennen. Wenn ich das Gefühl habe: Ich will diesen Text schon schreiben, aber...

Hier unterscheide ich wieder zwei Fälle:

  • Ich kenne das „aber“. Dann darf ich mich mit diesem „aber“ auseinandersetzen und entscheiden, ob ich das „Aber“ abstelle oder den Text aufgebe.

  • Ich kenne das „aber“ nicht, es ist nur ein unbestimmtes Gefühl. Dann sollte ich das Thema tatsächlich liegen lassen. Es kommt dann sowieso irgendwann einmal wieder. Meist klappt es dann.

Er tritt auch gerne mit Nummer 3 auf. Dann weiß ich ja, was zu tun ist.

Fazit

Wenn ich weiß, warum ich vom Thema abgekommen bin, dann kann ich nötigenfalls auch noch etwas retten.