Gleich vorab: Ich weiß es nicht. Ich kann auch nicht in die Zukunft sehen. Aber ich sehe in Web 2.0 eine große Chance, weg zu kommen von Materialismus und Konsumverhalten.

Es tut sich viel im Internet, und die Veränderungen kommen nun auch in den nicht-technischen Kreisen der Gesellschaft an. Was am deutlichsten sichtbar ist, sind die vielen sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter, StudiVZ, Youtube und was es da sonst noch so alles gibt.

Was ist Web 2.0 überhaupt?

Es kursieren viele Definitionen, Meinungen und Gerüchte zu und um Web 2.0. Die einfachste, umfassendste und zugleich auch schwammigste Definition ist wohl das Mit-mach-Web. Aber Web 2.0 gibt es nicht erst seit Facebook, StudiVZ und Co. Auch Foren und Kommentar-Funktionen einer Website gehören dazu.

War das Internet in seinen Anfängen vor allem zur Informationsverbreitung und Informationsbeschaffung in wissenschaftlichen und militärischen Kreisen geschaffen, so hat sich das Internet heute um das Mitmachen der Besucher erweitert. Das hat weitreichendere Folgen, als man zunächst vielleicht vermuten mag!

Das Internet als Spiegel der Gesellschaft

Wie damals ist das Internet auch heute ein Spiegel der Gesellschaft. Früher war unsere Gesellschaft vor allem davon geprägt, dass sie die Entscheidungen und Informationen von „oben“ zur Kenntnis genommen hat. Man hat zwar oft gemurrt, was denen wohl einfällt, aber das war es meist auch schon. Ändern konnte man ja sowieso nichts...

Das war in der Wirtschaftswunder-Zeit auch nicht viel anders, nur hat man hier das Zuckerbrot Aufschwung, wirtschaftlichen Wohlstand und Fernsehunterhaltung dazu bekommen – Brot und Spiele. Damit lässt sich – wenigstens für eine gewisse Zeit – Das Volk ruhig halten und „oben“ kann weiter tun, was es will.

Sind Brot und Spiele out?

Das wird heute langsam aber sicher anders. Auf der wirtschaftlichen Seite gehen manche Unternehmen bereits dazu über, die Kunden nicht nur dazu zu befragen, wie ein neues Produkt ankommt. Nein, sie lassen die Menschen bereits Vorschläge machen, was für ein Produkt mit welchen Eigenschaften überhaupt gewünscht wird – natürlich über das Internet!

Politisch geht die Entwicklung allerdings einen anderen Weg. Natürlich versuchen die Politiker, sich das Internet für ihre Zwecke zunutze zu machen. Barack Obama hat gezeigt, wie es gehen und vor allem auch funktionieren kann. Aber das ist leider eine Ausnahme. Und ob das der richtige Weg ist, um Wählerstimmen zu fangen, sei einmal dahingestellt.

Die auffälligste Veränderung ist in meinen Augen das, was gerade im Mittelmeerraum passiert. Ohne die Vernetzung über das Internet und auch die mobile Kommunikation wären die Umwälzungen dort gar nicht möglich.

Aber auch bei uns tut sich da eine ganze Menge, wenn auch nicht so offensichtlich. Kann sich noch einer an die Zeiten erinnern, als Greenpeace, Amnesty International und andere Organisationen an den Schulen, in den Fußgängerzonen und sonst wo auftauchten, um Unterschriften für oder gegen etwas zu sammeln? Das ist zwar etwas aus der Mode gekommen, erlebt aber gerade wieder eine Renaissance: Avaaz ist ein gutes Beispiel dafür. Und im Gegensatz zu früher bewirkt das heute sogar eine ganze Menge.

Aber auch die Meldungen in den Nachrichten, dass auf mehr oder weniger private Veranlassung hin über das Internet ein Rebellenführer in Afrika verfolgt wird, zeigen, welche Möglichkeiten das Internet bietet.

Was ist mit Social Media?

Ja, ich habe oben die sozialen Netzwerke gelobt und hier über Facebook hergezogen, wie passt das zusammen?

Ich stehe auch weiterhin zu beidem! Da ist sehr viel Blabla und Nicht- Information vorhanden. Das Niveau ist bei manchen Menschen eben so, egal ob man nun die hundertste Talksendung zum Thema Mobbing am Arbeitsplatz ansieht oder per Handy, SMS, Twitter oder Facebook verbreitet, dass man gerade auf dem Weg zum Einkaufen ist oder einem eine schwarze Katze von links nach rechts über den Weg gelaufen ist. Der Informationsgehalt solcher Nachrichten geht gegen Null, der Wert für die Menschheit ist es. Es geht aber auch anders, wie die Umwälzungen im Mittelmeerraum zeigen.

Facebook, das ich hier als Stellvertreter für alle möglichen Web 2.0-Geschichten verwende, ist nicht der Weisheit letzter Schluss, das stelle ich eindeutig fest. Was die mit meinen Daten machen, kann ich nicht kontrollieren. Das wenige, was ich hier beeinflussen kann, ist so gut versteckt, dass ich schon Absicht dahinter unterstelle.

Solange sich das nicht ändert, steht die Zukunft von Facebook auf Messers Schneide. Denn ich gehe einfach mal davon aus, dass sich die Entwicklung der Gesellschaft hin zu mehr direkter Demokratie, Einflussnahme und Mitsprache weiter fortsetzen wird. Nicht nur in der arabischen Welt sondern auch bei uns. Da hat solche Geheimniskrämerei keine Zukunft. Aber die Richtung scheint mir doch klar: Social Media bietet sehr viele Möglichkeiten für die menschliche Weiterentwicklung. Wenn Facebook das nicht auf die Reihe bekommt, dann wird es eben irgendwann einmal von einem anderen Netzwerk abgelöst, das die Bedürfnisse und Wünsche der Benutzer besser berücksichtigt.

Ich kann die Machenschaften von Facebook als „die da oben“ hinnehmen, wie die Gesellschaft das die ganze Zeit über getan hat, oder ich kann meinen Schnabel aufmachen oder „mit den Füßen“ – hier ist es eben die Tastatur – abstimmen. Ich kann flach bleiben mit wertlosen Postings oder die sozialen Netzwerke nutzen, um mich und meine Beziehungen weiterzuentwickeln und meinen Beitrag für die Welt zu leisten.

Es kommt immer darauf an, was man selbst daraus macht!